Landauer Liederleute

Weihnachtslieder und andere himmlische Musik

Die Rheinpfalz, 19.06.2018

Motetten von Anton Bruckner und Werke nordischen Kompositionen mit den Landauer Liederleuten unter Sévérine Grimbert in Landau

Von Brigitte Schmalenberg



So klanggewaltig die Stimmen der Landauer Liederleute auch strahlen können, so lautlos erfolgte der Wechsel am Dirigentenpult. Nach drei Jahrzehnten erfolgreicher Chorarbeit legte Matthias Kreiter den Taktstock in die Hände der Sängerin und Musiktherapeutin Séverine Grimbert. Die gab nun ihr Debüt mit „Himmlischer Chormusik“ und überraschte in der Kapelle des Paulus-Stifts in Herxheim und im Haus am Westbahnhof in Landau mit Motetten von Anton Bruckner und nordischen Kompositionen.
„Wer hohe Türme bauen will, muss lange beim Fundament verweilen“, hat Anton Bruckner einmal gesagt und sich selbst an diese Prämisse gehalten. Sévérine Grimbert liebt die Werke Bruckners und die Art seines Empfindens. „Seit zwanzig Jahren schon“ wünscht sich die erfahrene Opern- und Oratoriensängerin, mehrfache Chorleiterin und Musiktherapeutin deshalb, selbst einmal Bruckner zu dirigieren – und mit der Übernahme der bestens disponierten Landauer Liederleute ging dieser Wunsch nun in Erfüllung.Mit „großem Respekt“ vor der Arbeit ihres Vorgängers Matthias Kreiter hat sie sich gleich ans Werk gemacht und dem staunenden Vokal-Ensemble die Notenblätter für die anspruchsvollen, ganz und gar dem geistlichen Liedgut zugewandten Bruckner-Motetten ausgeteilt. Diese klare und wahre Musik sei besonders dazu geeignet, „Musik mit dem Herzen zu spüren“, die Textbedeutung zu erfassen, sie in den Reibungen der Noten und Weichenstellungen der Melodien wiederzufinden, mit der eigenen Stimme zum Klingen zu bringen, dabei Spannungen aufzubauen und so die Resonanzfähigkeit des gesamten Klangkörpers zu steigern. Dass die in Paris geborene, heute in Neustadt-Diedesfeld lebende Chorleiterin das Dirigieren genauso als Basisarbeit versteht wie Bruckner das Komponieren hört und sieht und spürt man in jeder Phase ihres intensiven Konzertdebüts, in dem sie ihren Sängerinnen und Sängern auf beeindruckende Weise geistige Wachheit und körperliche Präsenz abverlangte, und sie zu klarer Intonation bei sicherer, reiner Stimmbildung führte.
Nicht nur Bruckners fromme Motetten müssen vom Publikum erst mal verdaut werden. Auch die nordische Musik im zweiten Teil war erfüllt von einem gläubigem, andachtsvollen Duktus und wurde recht selbstbewusst mit zwei schwedischen Weihnachtsliedern eingeläutet. Die waren allerdings so fröhlich, leicht und poetisch, dass sie auch als Sinnbild fürs Leben schlechthin taugen könnten.

Überhaupt begeisterte die Musik des Nordens durch lyrische Lautmalereien und dynamische Klangspielereien, die in raffiniertem Kontrast zur einfachen Beschreibung der schönen Natur stehen. So entführt der Schwede Hugo Alfvén in seinen volksliedhaften Weisen in idyllische Gärten und Auen, lässt Lilie und Akelei, Rose und Salbei beschauen oder unter einem „ruhigen Himmel“ am Waldrand das Jagdhorn erschallen.

Jean Sibelius betrachtete in seinem „Drömmarna“ aus finnischer Sicht den Kreislauf der Menschengeschlechter, die „kommen und gehen, gleiten dahin wie die Ströme, sterben, erlöschen, sind nicht mehr zu sehen ...und doch erblühen und bleiben ewig lebende Träume.“ Eine besondere Überraschung war das vielschichtig erklingende Gebet „Ave Maria Stella“ von Edvard Grieg. Dem Zeitgenossen Frederik Sixten war das Schlusswort vorbehalten – ein „Alleluia“, das sich aus Einzelstimmen zu einem organisch wachsenden, kraftvoll strahlenden, kompromisslos klaren Jubel aufbaute und den ganzen Raum erfüllte. Der begeisterte Applaus des Publikums lenkte die „himmlische Chormusik“ wieder auf irdische Bahnen und so gab es als Zugabe ein bekanntes weltliches Volkslied in deutscher Fassung, obwohl das Mädel, das da mit goldenen Bande zum Tanze geht, ursprünglich einen schwedischen Reigen vollführte.

Séverine Grimbert und die Landauer Liederleute haben einen so prägnanten Eindruck hinterlassen, dass man schon jetzt gespannt auf das nächste Konzert sein darf.


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